EMS - kurz und bÜndig erklÄrt

Historien von Elektromuskelstimulation sind Reha-Maßnahmen
Ihre Wurzeln hat die Elektromuskelstimulation in der Physiotherapie. Seit den 70er Jahren kommen EMS-Trainings-Massnahmen in der Reha zum Zuge. Als Beispiel dient EMS zum gezielten Muskelaufbau nach Verletzungen und hat hier bereits gute Erfolge gezeigt. Auf die Haut geklebte Elektroden stimulieren die betroffene Muskulatur, ohne dass sie aktiv bewegt werden muss. Mit dem Ganzkörper-EMS wird die punktuelle Platzierung der Elektroden durch flächenmässige Platzierung an allen Extremitäten ersetzt. „EMS-Training ist ein nützliches Instrument, um Muskelmasse aufzubauen“, bestätigt Professor Dr. Klaus-Michael Braumann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). So viel zum medizinischen Nutzen der elektrischen Muskelstimulation.

Kann EMS auch ganz normalen Sport ersetzen? Sie wissen schon: Joggen, Schwimmen, Radfahren oder auch Krafttraining – eben all dass, was Menschen normalerweise tun, um fit und schlank zu bleiben und um ihre Beweglichkeit und Kondition zu trainieren. OK – früher als Jäger und Sammler waren wir als Homosapiens täglich mehrere Stunden unterwegs – heute ist das schwierig und wir sind bequem geworden – die meisten von uns.

Ein Grundsatz zu unseren Muskeln: „use it – or lose it“. Es ist nicht Jedermanns Sache: 2 Mal die Woche 2 Stunden ins Fitness zu gehen. Schnell einmal über Mittag 20 Minuten ins EMS-Studio ist da schon ansprechender. Jedenfalls für Fittnessverweigerer.

Wie funktioniert EMS-Training?
Ob beim Joggen oder beim Krafttraining im Fitnessstudio: bei körperlicher Anstrengung leiten Nerven elektrische Impulse an die Muskeln, die sich daraufhin zusammenziehen. Beim EMS-Training kommt der Befehl an die Muskeln nicht vom Gehirn, sondern von außen durch niedrigen Reizstrom. Dabei geben in Funktionskleidung eingearbeitete Elektroden elektrische Impulse an Muskelpartien weiter, die sich zusammenziehen und so die Aktivität der Muskulatur unter Anstrengung nachahmen. Passiert das häufig und intensiv genug, wird der Muskel dicker und kräftiger. Übrigens, die Anstrengung von EMS macht sich durchaus bemerkbar, da kommen selbst  Profis ins Schwitzen.

Ist EMS ein Ersatz für Sport?
Ja und Nein muss hier die Antwort wohl lauten. Es stimmt: EMS kann Muskeln wachsen lassen. Zwar besteht noch Forschungsbedarf, doch es gibt bereits mehrere Studien, die zeigen, dass die Technik funktioniert. „Durch Muskelaufbau erhöht sich auch der Grundumsatz – der Kalorienverbrauch steigt und abnehmen gelingt schneller“, erklärt Professor Dr. Braumann. Wer mit Elektroden am Körper trainiert fördert also in erster Linie seine Kraft – durchaus nützlich. Aber: Damit wir rundum fit und gesund bleiben, brauchen wir außerdem auch Ausdauer – also Kondition – sowie Koordinationsfähigkeit. Neu zu EMS kommt das funktionale EMS-Training. Dabei werden, sofern gewollt, intensive Übungen an herkömmlichen Fitnessgeräten in Verbindung mit dem Elektrodenanzug durchgeführt. Die Intensität des Trainings kann der Probant selbst bestimmen. Promis, die sich einen Personal-Trainer leisten können, nutzen Funktional-EMS-Training schon seit langem (Fussballer, Boxer, Sprinter, Models die in Form bleiben wollen, etc...)

Kondition und Koordination werden kaum trainiert
Kondition und Koordination werden durch EMS-Training laut Sportmediziner Professor Dr. Braumann jedoch kaum gestärkt. Wer seine Ausdauer trainieren möchte – wichtig für ein gesundes Herz-Kreislauf-System –, sollte Sportarten wie Joggen oder Radfahren wählen. Auch dies ist eine Aussage, die für EMS nicht unbedingt haltbar ist, denn, wer gleichzeitig mit dem Crosstrainer im EMS-Anzug traininert wird feststellen, dass nach 30 Minuten Cardio-Training die Puste am Anschlag ist.
Und die Koordination? „Ein Kugelstoßer berichtete, seine Muskeln seien durch EMS-Training zwar so kräftig geworden, dass er gefühlt Löcher in die Kugel hätte drücken können. Weit gestoßen bekam er die Kugel aber nicht“, erzählt Professor Dr. Braumann. Wer seine durch EMS gewachsenen Muskeln gezielt und koordiniert einsetzen will, muss deshalb während des Trainings sportarttypische Bewegungsabläufe nachahmen, sonst bleibt die Koordination auf der Strecke. Professor Dr. Braumann sollte seine Statements spätestens dann korrigieren, wenn er herkömmliches EMS mit dem EMS-Functional-Cube vergleicht, denn dort wird EMS und herkömmliches Fitnesstraining intensiv kombiniert.

Für wen ist Elektromuskelstimulation nicht geeignet?
Vorsicht: Manche Krankheiten können gegen ein EMS-Training sprechen. Wer EMS ausprobieren möchte, sollte deshalb vor dem Start sicherheitshalber seinen Arzt fragen! Das gilt insbesondere für Menschen mit Herz-/Hirnschrittmachern, Implantaten, Epilepsie, Sensibilitätsstörungen, zum Beispiel als Folge einer Diabetes, Spastiken oder Hautproblemen. In solchen Fällen wird meist von EMS abgeraten. Auch Schwangere sollten auf EMS verzichten.
Jedes seriöse EMS-Studio wird vor einem Training eine Anamnese durchführen, um spezifische Probleme zu besprechen und ggfls. die Rücksprache einer ärztlichen Beratung einzuholen.

EMS: Eine Alternative für Sportmuffel?
Vor allem für Sportmuffel, die wenig Zeit für Bewegung aufwenden können oder wollen oder die körperliche Anstrengung scheuen oder durch körperliche Behinderungen nicht leisten können, sei EMS-Training laut eine Alternative. Glaubt man den Anbietern, sollen 20 Minuten Training ein- bis zweimal pro Woche genügen, um die Muskeln zu trainieren. Vor allem die Rumpfmuskulatur profitiere laut Professor Dr.  Braumann. Diese Muskelgruppen stabilisieren Rücken und Bauch und sind bei vielen Menschen durch zu viel Sitzen untrainiert.
Ab 50 Jahren nimmt die Muskulatur schneller ab und das kann nur mit Gegenmassnahmen kompensiert werden: Muskelaufbau, denn sonst leidet auch die Stabilität und das Gleichgewicht. Für Seniorinnen und Senioren ist ein regelmässiges EMS-Training der Schlüssel zur Vitalität, denn der tägliche Spaziergang trainiert nicht unbedingt die Stützmuskulatur, die für eine Stabilität des Rumpfes sorgt.
Das EMS-Training im Studio mit verkabelter Funktionskleidung ist aber nicht Jedermanns Sache - neu sind auch kabellose EMS-Trainings mit modernster Technologie. Auch der Sportmediziner sagt: „Natürlich ist Bewegung an der frischen Luft viel schöner und entspannender“. Wer allerdings hat in unserer gehetzten Zeit Musse und wer scheut sich nicht, bei Regen, Wind und Wetter an der frischen Luft zu Joggen? Besser als gar nichts zu tun ist ein funktionales 20 Minuten-EMS-Training.

Kosten und Kalorienverbrauch
Nach Informationen eines Herstellers von EMS-Geräten liegt der Kalorienverbrauch während des EMS-Trainings im Vergleich zu ähnlicher Belastung ohne elektronische Unterstützung bis zu 15-30 Prozent höher. Allerdings dauert eine EMS-Trainingseinheit in EMS-Studios nur etwa 20 Minuten – wer „normalen“ Sport ausübt, trainiert oft länger und verbraucht dann entsprechend mehr Kalorien. Je nach Fitnessstudio und Intensität des EMS-Trainings kostet eine 20-Minuten-Einheit rund 25 Euro. Wenn Sie ein halbes Jahr einmal pro Woche mit EMS trainieren, zahlen Sie also ungefähr 600 Euro. Die Frage sind nicht unbedingt die Euros sondern: was ist mir meine Gesundheit und Vitalität Wert!

Fitnessstudio mit guter Beratung ist wichtig
Wer sich an das Training mit Elektroden wagt, sollte auf eine gute Beratung im Studio achten. Ein geschulter EMS-Trainer wird die Funktions- und Wirkungsweise detailliert erklären. Es gibt unterschiedliche Trainingsformen, die meist individuell zugeschnitten werden. Der Sportmediziner Professor Dr.  Braumann rät davon ab, EMS-Geräte bei Homeshopping-Kanälen oder ähnlichen Anbietern zu bestellen und es auf eigene Faust zu Hause zu probieren.
Wichtig ist auch, vor dem Training genug Wasser zu trinken. „Während des EMS-Trainings kann sich durch osmotische Effekte zu viel Wasser im Muskel sammeln. „Dies kann, ohne genügend Flüssigkeitszufuhr, Kreislaufprobleme zur Folge haben“ weiss Professor Dr. Braumann. Das könne vor allem beim Training großer Muskelareale passieren. Wenn Muskeln zu sehr belastet werden, droht am nächsten Tag ein Muskelkater – EMS-Training macht da keine Ausnahme. Was allerdings auch zeigt, dass es wirkt. Jedenfalls auf die Muskeln. Wer regelmässig mit EMS trainiert wird feststellen, dass nach 3-4 Trainings bereits der Muskelkater verschwindet.

Ein wichtiger Grundsatz gilt für alles: zu wenig Bewegung ist ungesund und der Muskel schwindet, zu viel Sport kann auch kontraproduktiv sein (anabol wird leicht zu katabol), das richtige Mittelmass ist der goldene Mittelweg und sollte durch fachliche Beratung begleitet sein. Und mit den Muskeln ist das so eine Sache: use it – or lose it.